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Tourenbericht


Padjelanta-Nationalpark

Es ist bitter kalt. Claudia und ich haben fast alles angezogen, was wir an Bekleidung in den Rucksäcken und auf unserem Schlitten finden können: lange Unterwäsche, zwei Lagen Fleece und darüber die dicken Daunenjacken. Trotzdem kriecht die Kälte durch die letzten Ritzen. So schnell es geht bauen wir unser Zelt auf. Claudia versucht, mit Isomatten und Schlafsäcken ein einigermaßen gemütliches Bett zu gestalten. Doch das ist bei fast -35°C gar nicht so einfach. Die Evazotematten sind bei diesen niedrigen Temperaturen steif wie ein Brett und die Thermarest-Matte läst sich kaum aufblasen. Während Claudia mit dem "Bettzeug" kämpft, schmelze ich Wasser für unser Abendessen und etwas warmen Tee. Durch Hüpfen und Händereiben versuche ich mich warm zu halten - mit mäßigem Erfolg.

Die Kälte hat uns gleich am ersten Tag mächtig überrascht. Das es kalt würde war uns klar, aber mit Temperaturen unter -30°C hatten wir auch Mitte Februar in Lappland nicht wirklich gerechnet. Bereits tagsüber sank die Säule unseres kleinen Thermometers unter die -20°C-Marke. Mit Schals, dicken Handschuhen und Mützen bewaffnet ziehen wir durch das Tarredalen. Während Claudia nur ihren Rucksack schleppt, ziehe ich auch noch zusätzlich einen Schlitten mit Gepäck, Lebensmitteln und Benzin für den Kocher durch die Gegend. Diesmal wollen wir auf unseren Skiern den Padjelanta-Nationalpark in Nordschweden erkunden. Unsere Route folgt dem Padjelantaleden, einem etwa 150 km langen Wanderweg, der von der kleinen Siedlung Kvikkjokk bis nach Ritsem führt. Im Sommer ist der Padjelantaleden ein schöner Weg, der mehrere Hütten im Nationalpark verbindet. Im Winter ist er nicht minder schön, erfordert aber mehr Wintertouren-Erfahrung als etwa der Kungsleden, da er nicht als Winterweg markiert und auch nicht gespurt ist.

Die Landschaft des Padjelanta-Nationalparks ist geprägt von einer hügeligen Tundra-Landschaft und zahlreichen Seen. Leider sehen wir von dieser großartigen Landschaft nur selten ein paar Ausschnitte. Dichter Nebel nimmt nach wenigen Metern jede Sicht. Ohne das GPS wären wir vermutlich ziemlich aufgeschmissen und müssten die Tour abbrechen. Aber mit dem kleinen Satelliten-Navigationsgerät können wir uns bei dem leichten Gelände durch die dicke Suppe wagen.

Erst nach ein paar Tagen, kurz bevor wir den riesigen See Virihaure erreichen, klart es etwas auf und die Aussicht ist bei dem strahlend blauen Himmel einfach fantastisch. Nun nehmen wir endlich auch wieder etwas Leben um uns herum wahr. Schneehühner beobachten uns neugierig und auch ein Fuchs schlendert auf der Suche nach Beute in unserer Nähe herum und beäugt uns aus sicherer Entfernung. Nachts bereiten uns grüne Nordlichter ein spektakuläres "Feuerwerk".

Die Abfahrt zur Fjällstation Staloluokta, die am Ufer des Virihaure liegt, ist traumhaft schön. Die Birken sind mit silbrig glänzendem Reif überzogen. Es kommt uns vor, als wanderten wir durch einen Märchenwald. Zu dieser Jahreszeit ist niemand in Staloluokta. Auch die Hütten der Samen sind verlassen. Wir haben erst wenige Stunden hinter uns, als wir Staloluokta erreichen und so wandern wir noch ein ganzes Stückchen weiter, bevor wir wieder unser Zelt aufschlagen.

Am nächsten Morgen ist der blaue Himmel bereits wieder den dichten Nebelschwaden gewichen. Dafür ist die Temperatur stetig gestiegen. Nun wird es fast schon zu warm. Zwar zeigt das Thermometer noch einige Grad unter Null, aber im Zelt wird es bei diesen "warmen" Temperaturen bereits unangenehm feucht. Bei diesem Wetter wühlen wir uns unter der Last von Rucksäcken und Pulka weiter in Richtung Norden.

Erst Ende unserer Tour lichtet sich der Nebel wieder und gibt einen spektakulären Blick auf den Akka frei. Dieser berühmte Berg, der bereits zum benachbarten Stora Sjöfallet-Nationalpark gehört, ist eines der Wahrzeichen dieser Region. Claudia begeistert sich dagegen eher für die Schneehasen, die wir im nördlichen Abschnitt des Padjelantaleden beobachten können. Zahlreiche Spuren und Fährten zeugen von ihrer Anwesenheit. Und schließlich können wir auch einige dieser weißen Fellbüschel zwischen den Bäumen ausmachen. Regungslos sitzen sie mit ihrer perfekten Tarnung im Schnee. Erst als ich mit der Kamera zu nahe komme, hoppeln sie davon.

Die letzte Etappe auf unserer Tour führt uns von Akka-Hütte über den riesigen gefrorenen Stausee Akkajaure zur Straße nach Ritsem. Die Herberge empfängt uns mit einem kuscheligen Bett und einer warmen Dusche.






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