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Tourenbericht


Jotunheimen – Norwegen

Es kann nicht immer alles klappen. Auf dieser Tour klappte gar nichts! Mit Ulrich, Pacho, Jens fuhren Claudia und ich mit dem Linienbus von Berlin nach Oslo und dann weiter bis nach Tyinkrysset. Schon während der Fahrt verwandelte sich der leichte Schneefall allmählich in Regen. Das Thermometer zeigte gerade mal ein paar Plusgrade und die weiße Pracht verwandelte sich in erstklassigen Schneematsch. „Im Gebirge wird es schon werden“, machten wir uns Mut und stiefelten bei absoluten Sauwetter und mit angeschnallten Skiern die zugeschneite Straße zum See Tyin hinauf. Noch immer frohen Mutes bauten wir im Windschatten einiger alter Gebäude am Ufer des Sees unsere Zelte auf. Ulrich hatte seine Kota mitgebracht. So ein großes Zelt, in dem man auch mit fünf Leuten (halbwegs) Platz findet und kochen kann, ist bei so einem miesen Wetter einfach genial! Der nächste Tag wurde nicht besser. Bei schlechter Sicht und Regen watschelten wir den ganzen Tag über den zugefrorenen See in Richtung Eidsbugarden. Am Nachmittag konnten wir zwar eine ganz ordentliche Strecke verbuchen, aber viel von den traumhaften Bergen Norwegens hatten wir durch den Nebel nicht gesehen. „Wird schon werden“, sagten wir uns und trafen uns am Abend wieder zur Pyjama-Party in Ulrichs Zelt.

Es wurde nicht! Während des Aufstiegs am nächsten Morgen, hatte Pacho die Schnauze voll. Er hatte sich voll und ganz auf die modernen Errungenschaften der Ausrüstungs-Industrie verlassen und statt eines Regenparkas nur eine Softshell-Jacke mitgenommen. Nun regnete es aber nicht nur ein bisschen, sondern in Strömen und die Jacke hatte schon längst die Hufe hoch gerissen. Also marschierten wir wieder zurück und quartierten uns in einer der Hütten in Eidsbugarden ein, um unsere Klamotten zu trockenen und in der Hoffnung, die Moral ein wenig heben zu können. Vergebens! Am nächsten Tag verabschiedete sich Pacho und machte sich frustriert auf den Heimweg. Der klägliche Rest unserer unglücklichen kleinen Reisegesellschaft stiefelte dann wieder in Richtung Berge. Diesmal entschieden wir uns dann aber für einen anderen Weg, da die ursprünglich geplante Tour nun nicht mehr zu schaffen gewesen wäre. Doch schon an der nächsten Hütte kam die nächste Enttäuschung. Der Wirt riet uns dringend von der Tour ab, da die Route nicht präpariert und entsprechend noch nicht begangen sei. Wir würden in dem dort in den Bergen herrschenden Tiefschnee mit den Pulken kaum vorankommen. Außerdem müsste man mit Lawinen rechnen. Ratlosigkeit machte sich breit. Ulrich versuchte die Situation zu retten und schlug ein Basislager im Tal vor. Von dort könnten wir die restlichen Tage mit Tagestouren auf dem Loipensystem von Tyinkrysset oder Beitostolen noch halbwegs sinnvoll verbringen. Loipenrutscherei mit Tourenskiern und Plastik-Schalenschuhen? Nun war auch bei Claudia und mir die Luft raus. Wir entschieden uns für die gemeinsame Heimreise. Natürlich verlief auch die nicht reibungslos. Der Linienbus ab Oslo hatte keinen Platz für uns frei und die Umbuchung der Tickets erwies sich als beinahe unmögliches Unterfangen. Irgendwann waren wir aber allen beteiligten Fahrkartenverkäufern so gehörig auf die Nerven gegangen, dass wir doch noch neue Tickets bekamen. Trotzdem mussten wir noch eine ganze Nacht in Oslo verbringen und „vergnügten“ uns mit der Flucht vor den Sicherheitskräften diverser Bahnhofsanlagen, die nacheinander geschlossen wurden. Erheiternd waren auch die Gespräche mit den angeheiterten Norwegern, die sich mit uns auf dem Bahnhofsvorplatz herumdrückten. Was von dieser Tour bleibt, sind die Erkenntnisse, dass getrocknetes Hackfleisch wirklich essbar und Regen im Winterurlaub 'ne fiese Sache ist, dass ich keine Softshell-Jacke brauche, und dass betrunkene Norweger auf Bahnhofsvorplätzen ziemlich lustig sein können. Und natürlich ein paar Fotos, denen man nicht unbedingt ansieht, dass die Tour großer Mist war.



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