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Tourenbericht


Mit Hundeschlitten und Skiern im norwegischen Hafjell

Wie wild springt das pelzige Knäuel bellend im Schnee umher. Bramek will immer der Erste sein und auch heute bekommt er seinen Willen. Kipnuk, die Husky-Dame, ist da etwas geduldiger. Als die beiden Hunde vor den Schlitten geschnallt sind, gibt Tom das Startsignal und das Gespann jagt davon. Zwei Huskys reichen nicht, um einen vollgepackten Schlitten samt Schlittenführer zu ziehen, aber für einen Teil unserer Ausrüstung sind die beiden stark genug. Wir Zweibeiner folgen zu sechst mühsam auf unseren Skiern.

Schneekristalle funkeln und glitzern im hellen Sonnenlicht. Sirrend gleiten die Skier über die weiße Ebene. Der feuchte Atem gefriert in den Barthaaren und am Kragen der Jacke. Bis nach Jotunheimen und Rondane, Gebirgszüge im südlichen Teil Norwegens, reicht der Blick durch die kalte und klare Luft. Jetzt Ende Dezember sind die Hochebenen des Hafjells noch fast menschenleer. Die meisten Langläufer kommen erst später im Winter in die Region, die durch die Olympischen Winterspielen von 1994 in Lillehammer als Wintersportgebiet, auch über die Grenzen Norwegens hinaus, bekannt wurde. Nur wenige Kilometer nördlich von Lillehammer gelegen, fanden an den Hängen des Hafjells die Wettkämpfe im Slalom und Riesen-Slalom statt. Und auch heute noch werden die Anlagen für den Wintersport-Tourismus genutzt. Abseits der Pisten ist von dem Rummel jedoch nicht viel zu bemerken.

Bei heißem Tee aus den Thermoskannen und ein paar tiefgefrorenen Müsliriegeln aus dem Rucksack genießen wir die Aussicht auf die verschneite Landschaft. Nach kurzer Pause geht es weiter. Wir sind zwar nicht besonders schnell unterwegs, aber dank des Gepäcks auf dem Rücken geraten wir trotz der Minusgrade schon bald wieder ins Schwitzen. Auch wenn man, so wie wir, nur eine Nacht im Freien verbringen will, ist die Menge der Ausrüstung beträchtlich. Warme Bekleidung und Ersatzunterwäsche, Benzinkocher, stabile und wintertaugliche Zelte und vor allem ein dicker Schlafsack müssen dabei sein. Dazu kommen noch Lebensmittel und Brennstoff für die Kocher. "Viel mehr", schmunzelt Elke beim Anblick der voll gepackten Rucksäcke, "hat man auf einer Zweiwochen-Tour auch nicht dabei!"

Besonders anstrengend wird es, als wir die gespurte Route verlassen, um einen Platz für unser Nachtlager zu finden. Wollen wir unser Camp noch beim letzten Tageslicht der kurzen Wintertage aufbauen, müssen wir uns schon früh am Nachmittag nach einem geeigneten Platz umsehen. Mit den Skiern treten wir im Schnee eine ebene Fläche für die Zelte fest. Nach ein paar Handgriffen stehen unsere Behausungen. Da normale Zeltnägel im Schnee keinen Halt finden, müssen wir die längeren und breiteren Schneeheringe quer im Schnee vergraben. Die Skier stecken wie riesige Zahnstocher rund um die Zelte. Auch sie werden als Abspannpunkte für die Sturmleinen der Zelte genutzt. In der Zwischenzeit haben Jens und Pacho genug Brennholz für ein Lagerfeuer gesammelt. Bis zum gefrorenen Erdboden müssen wir eine Grube ausheben, damit das Feuer nicht im Schnee versinkt. Bald brennt das Holz und angenehm ist die Wärme, die das knisternde und lodernde Feuer verbreitet, um das sich unsere kleine Gruppe behaglich kauert. Auch die beiden Hunde sind versorgt und liegen friedlich zusammengerollt im Schnee. Fast -20°C zeigt das Thermometer, doch in dicke Daunenjacken gehüllt und mit dem wärmenden Feuer lässt es sich gut aushalten. Im Schein der Flammen leuchten unsere zufriedenen Gesichter vor dem dunklen Nachthimmel.

Wir schmelzen Schnee über dem Feuer, denn in der trockenen Kälte des skandinavischen Winters haben wir beim Skifahren über den Atem viel Flüssigkeit verloren. Entsprechend viel muss wieder getrunken werden.

Als Stefan dann das Essen serviert, stelle ich wieder einmal fest, dass nach einem anstrengenden Tag in der freien Natur einfach alles schmeckt. Das fertige Essen aus der Tüte schmeckt wie aus einem Nobel-Restaurant.

Zwar fällt das Dessert heute aus, doch einen Nachschlag der ganz besonderen Art hält die Natur für uns bereit: wie eine Glocke aus grünem Licht spannt sie einen Bogen über die Berge am Horizont. Vereinzelt lösen sich daraus Schweife und ziehen wabernd in den dunklen Nachthimmel. Polarlichter entstehen durch Elektronen und Protonen, elektrisch geladene Teilchen, die von der Sonne ausgestrahlt werden und in der Atmosphäre vorhandenen Stickstoff und Sauerstoff anregen und so die Lichterscheinungen verursachen. Die Polarlichter weiter im Norden Skandinaviens sind zwar größer und spektakulärer als diese Kostprobe, dennoch steige ich beeindruckt von dem Schauspiel in meinen Schlafsack.

In der Nacht rächt sich mein abendlicher Durst nach heißem Tee. Ich muss pinkeln, aber mein Schlafsack ist so schön warm und meine Lust, ihn zu verlassen, tendiert gegen Null. Doch der Druck wird immer stärker und schließlich schleiche ich doch noch bei frostigen Temperaturen in langer Unterwäsche auf der Suche nach einem geeigneten Baum durch das Lager. Den Blick auf das Thermometer kann ich mir dabei sparen. Dass es verdammt kalt ist, merke ich auch so.

Am nächsten Morgen wechselt das Licht im Minutentakt und lässt die Hügel des Hafjells in den schillerndsten Farben erstrahlen. Vor der aufgehenden Sonne verschwimmt die Landschaft im orangefarbenen Dunst. Kipnuk und Bramek, die beiden Hunde, räkeln sich in den ersten Strahlen. Erneut entfachen wir die Glut unseres Lagerfeuers, schmelzen Schnee und füllen heißen Tee in die Thermoskannen. Mit ein paar Müsliriegeln und etwas Schokolade fällt das Frühstück heute etwas knapp aus, bevor wir die Zelte abbauen, die Schlafsäcke in die Rucksäcke stopfen und die Skier anschnallen.

Noch einmal lassen wir auf unserem Rückweg den Blick über die verschneiten Gebirge Norwegens schweifen. Während die Erlebnisse der Nacht nachklingen, hält der skandinavische Winter bereits neue Eindrücke parat: Spuren von Vögeln und einem Fuchs ziehen sich durch den Schnee. Im Licht der Sonne funkeln Eiszapfen an den Ästen der leicht verschneiten Bäume. Schneller als erhofft stehen wir wieder vor unserer heimatlichen Hütte. Doch schon ein paar Tage später haben wir unsere Rucksäcke wieder gepackt und schnallen die Skier an. Das muss der Wintervirus sein, von dem so viele Skandinavien-Reisende berichten. Höchst ansteckend soll er sein...






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