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Tourenbericht


Mit dem Seekajak im Prince William Sound, Alaska

Im März 1989 berichteten die Nachrichtensprecher in aller Welt über den havarierten Öltankers Exxon Valdez über die Mattscheiben. Rund 40.000 Tonnen Öl, das über die 1285 km lange Alaska Pipeline aus der arktischen Prudhoe Bay quer durch den nördlichsten Staat der USA bis nach Valdez gepumpt und dort auf das Schiff verladen wurde, strömte aus dem leckgeschlagenen Schiff ins Meer und verursachte eine ökologische Katastrophe im Prince William Sound, einer Bucht des Golfs von Alaska. Wochenlang versuchten Naturschützer von Öl verklebte Vögel und Meeressäuger zu retten und die Küste von Öl zu befreien. Trotz der Bemühungen verendeten mehrere hunderttausend Tiere qualvoll. Auch heute noch leidet das empfindliche Ökosystem an den Folgen der Katastrophe.

Als Claudia, Stefan, Cynthia und ich in Valdez ankommen, zeigt sich die kleine Stadt bei strahlendem Sonnenschein von einer freundlicheren Seite. Kenny von Pangaea Adventures, einem lokalen Kajak-Vermieter, begrüßt uns in seinem Büro am Hafen. Auf der Karte markiert er uns besonders lohnende Zeltplätze, zeigt uns geschützte Buchten und gibt uns ein paar Tipps zu Strömungen und vorherrschenden Windrichtungen in den unterschiedlichen Seitenarmen des Prince William Sounds. Neben den beiden Zweier-Kajaks, Paddeln, Schwimmwesten und Signalraketen bekommen wir von ihm auch noch ein Funkgerät, mit dem wir den Wetterbericht abhören und im Notfall Hilfe herbeirufen können.

Am nächsten Tag verladen wir unsere Ausrüstung und die Boote auf die Fähre nach Whittier im Westen des Prince William Sounds. Von dort aus werden wir mit den Kajaks zwei Wochen lang bis nach Valdez zurück paddeln und den Prince William Sound mit seinen Buchten, Armen und Inseln erkunden.

Ein paar Stunden später kreisen hunderte Möwen über unsere Köpfe. Mit den Kajaks haben wir uns ihrer Kolonie einige Kilometer vor Whittier genähert und nun werden wir neugierig inspiziert. In sämtlichen Nischen der steilen Felswand haben sich die Vögel niedergelassen, um hier ihre Nester zu bauen. Ich kann es kaum glauben, dass wir diesen Besuch ohne Vogelschiss auf unseren Klamotten überstehen. Normalerweise habe ich da mehr "Glück"

Am nächsten Morgen, nach dem wir Zelte, Schlafsäcke und Kochzeug wieder in den Booten verstaut haben paddeln wir in die Blackstone Bay. Zahlreiche Gletscherzungen strömen in dieser rund 20 km langen Bucht aus den Bergen bis ins Meer hinab. Vorsichtig nähern wir uns mit den Kajaks dem Beloit Gletscher, der mit seiner steilen Eiswand beeindruckt. Mit unseren Booten bahnen wir uns einen Weg durch die kleinen Eisberge, die der Gletscher ins Meer gespuckt hat, als mit einem lauten Getöse ein ordentliches Stück Eis aus der Gletscherwand bricht und ins Meer stürzt. Diese Abbrüche und die enormen Wellen, die dabei entstehen können, machen es für kleine Boote besonders gefährlich, sich dem Gletscher zu nähern. So beobachten wir dieses Spektakel aus sicherer Entfernung.

Ein weiteres Sicherheitsrisiko auf unserer Tour sind die langen Passagen, wenn wir größere Buchten und Seitenarme queren müssen. Hier ist man teilweise kilometerweit vom nächsten Ufer entfernt. Wenn dann starke Winde und Wellen herrschen, wird es in dem schaukeligen Boot ganz schön ungemütlich. Besonders die Querung der Cochrane Bay hatte uns Sorgen bereitet, da dieser Teil des Prince William Sounds relativ ungeschützt ist und sich bei den vorherrschenden Nordwinden hier zum Teil extreme Wellen aufbauen können. Doch als wir uns am frühen Morgen an die Überfahrt wagen, ist das Meer spiegelglatt. Bei strahlender Sonne ist der Weg über die Bucht und nach Culross Island das reinste Vergnügen.

Culross Island gilt als eine der schönsten Inseln im Prince William Sound und besonders die schmale Culross Passage, die zwischen der Insel und dem Festland liegt, hat es uns angetan. Zahlreiche kleine Buchten und Inseln liegen hier versteckt und bieten Enten, Möwen und Weißkopfseeadlern einen hervorragenden Lebensraum. Während einer längeren Pause versuchen Stefan und ich hier unser Glück mit der Angel. Als wir schließlich eine gute Stelle finden, haben wir unser Abendessen schnell beisammen.

Nach dem wir Culross Island umrundet haben, verabschiedet sich die Sonne fürs erste. Dicke Regentropfen platschen auf das Zeltdach, als wir im Norden der Inseln in einer Bucht campieren. Trotz des schlechten Wetters versuchen wir am nächsten Tag die Überfahrt nach Esther Island. Aber aufgrund des starken Gegenwindes und mächtiger Wellen, beschließen wir, auf besseres Wetter zu warten. Allerdings erscheint uns auch am späten Nachmittag die Querung noch nicht sicher genug und so schlagen wir unverrichteter Dinge erneut unser Lager auf.

Das Warten hat sich gelohnt: Wind und Wellen haben am nächsten Tag so weit nachgelassen, dass wir es bis nach Eaglek Bay schaffen. Die Sonne scheint sich allerdings nicht so bald wieder zeigen zu wollen. Dabei bräuchten wir dringend ihre Unterstützung, um unsere nasse Bekleidung zu trocknen.

Doch schon am nächsten Tag zeigt sich der zuständige lokale Wettergott wieder versöhnlich und die strahlende Sonne taucht die Szenerie in ein warmes Licht. Trotzdem machen Wind und Wellen aus den Überfahrten wieder eine echte Herausforderung. Schließlich müssen wir sogar mit den Kajaks kreuzen, damit die Wellen nicht ständig seitlich auf die Boote krachen. Als wir in der Fairmount Bay an einem kleinen Bach unser Lager aufschlagen, hängen wir sofort ein paar Wäscheleinen in die Bäume und trocknen unsere nassen Klamotten, Zelte und Schlafsäcke in der Nachmittagssonne.

Am nächsten Morgen beschließen wir noch einen weiteren Tag hier in der traumhaften Bucht zu verbringen. Bei blauem Himmel und Sonnenschein lesen wir, waschen unsere Wäsche und erkunden auf kurzen Spaziergängen die Umgebung um das Lager. Unsere Wassersäcke füllen wir mit warmem Wasser und nutzen sie als komfortable Outdoor-Duschen.

Ein weiteres Highlight im Prince William Sound ist Glacier Island. Diese große Insel liegt direkt gegenüber der Columbia Bay mit dem gewaltigen Columbia Gletscher und bietet gute Möglichkeiten zur Beobachtung von Meeressäugern und Vögeln. Schon kurz nach unserer Überfahrt zur Insel entdecken wir einen Buckelwal, der in einiger Entfernung an der Wasseroberfläche bläst. Schließlich dreht der Wal und kommt immer näher in unsere Richtung bis er schließlich etwa 30 Meter vor uns wieder abtaucht, um unter unseren Kajaks hindurch zu schwimmen.

Ein paar Kilometer weiter wartet eine Kolonie von Seelöwen an der Küste von Glacier Island auf uns. Schon vorher hatten wir gelegentlich einzelne Tiere oder kleine Gruppen von Seelöwen gesehen. Hier liegen nun einige hundert dieser massigen Tiere an Land und sonnen sich oder tummeln sich im Wasser. Die großen und starken Männchen kämpfen in diesen Kolonien um die bevorzugten Plätze, an denen sie ihren Harem etablieren. Schon aus einiger Entfernung kann man die Kolonie am Fischgeruch und am lautstarken Gebaren der Tiere wahrnehmen. Auch einige der verspielten Seeotter können wir rund um Glacier Island beobachten.

Als nächstes steht die riesige Bucht mit dem gewaltigen Columbia Gletscher auf unserem Programm. Doch Wind und Gezeiten haben so viele Eisberge und kleine Eisstücke des Gletschers hinaus in die Bucht getrieben, dass wir mit unseren kleinen Booten nicht gefahrlos hinein paddeln können. Immer wieder brechen Eisberge auseinander oder kippen und rotieren plötzlich, wenn sich durch fortschreitendes Abtauen ihr Schwerpunkt verlagert. So müssen wir uns über die eisfreie Heather Bay in Richtung Gletscher vorarbeiten, bis auch hier schließlich Inseln, Sandbänke und auf Grund gelaufene Eisberge ein weiteres Vorankommen unmöglich machen. Dafür können wir hier weitere Vogelkolonien bestaunen, in denen verschiedene Möwenarten, Seeschwalben und Kanadagänse brüten.

Am nächsten Morgen "beschließt" Claudia jetzt noch mal ein paar Wale zu beobachten. Umso größer ist die Überraschung, als sie tatsächlich ganz aufgeregt zu unserem Zelt zurück kommt und berichtet, dass tatsächlich ein Buckelwal direkt an unserer Bucht vorbei geschwommen ist. Etwas später entdecken wir ihn direkt in der nächsten Bucht, wo er hin und her schwimmt und sich den Wanst voll schlägt. Immer wieder schwimmt er mit offenem Maul an der Wasseroberfläche an uns vorbei, um Kleinlebewesen aufzunehmen und sie mit seinen Barten aus dem Wasser zu filtern.

Da wir uns den Columbia Gletscher nicht so richtig aus der Nähe anschauen konnten, machen wir auf unserem Weg nach Valdez noch einen Abstecher zu dem kleineren Shoup Gletscher, der in einer kleinen Bucht hinter einer Barriere aus Inseln und Sandbänken verborgen liegt. Um hier ohne anstrengende Paddelei gegen den Strom zum Gletscher zu gelangen, muss man den richtigen Zeitpunkt im Wechselspiel der Gezeiten erwischen. So wird man mit der Flut hinein - und bei Ebbe durch einen der schmalen Kanäle wieder hinausgespült.

Je näher wir der kleinen Stadt Valdez wieder kommen, desto stärker nimmt auch der Bootsverkehr auf der Schifffahrtsroute wieder zu. Wir passieren Fischerboote, Ausflugsschiffe und natürlich riesige Öltanker, die dort beladen werden. So wie die Exxon Valdez vor fast 20 Jahren. Bleibt zu hoffen, dass sich in diesem Paradies die Katastrophe nicht wiederholt. fs



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